© TalentKolleg Ruhr der Westfälischen Hochschule

TalentKolleg Ruhr (TKR): Hallo Mirco. Erzähl uns doch mal etwas über dich.

MIRCO: Hallo. Ich bin Mirco, 20 Jahre alt und komme aus Herne. Nach meinem Realschulabschluss vor dreieinhalb Jahren habe ich eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner in einem Betrieb in Bochum angefangen und mittlerweile auch abgeschlossen. Momentan arbeite ich in meinem Ausbildungsbetrieb weiter, während ich parallel mein einjähriges Fachabitur an der TBS1 in Bochum nachhole.

TKR: Und was hat dich dazu bewegt, nach einer abgeschlossenen Ausbildung noch einmal die Schulbank zu drücken und dein Fachabitur nachzuholen? Wie war für dich der Übergang von der Arbeit zur Schule?

MIRCO: Schon bei Ausbildungsantritt habe ich mir die Möglichkeit offen gelassen, mich danach noch weiterzubilden. Die Ausbildung habe ich weniger als Abschluss meines beruflichen Werdegangs gesehen, als vielmehr als Sprungbrett für das, was danach noch kommt. Der ausschlaggebende Anstoß kam jedoch von meinem Chef, mich mit der Möglichkeit des berufsbegleitenden Studiums im Bereich Maschinenbau auseinanderzusetzen. Jedoch fehlte mir die notwendige Zugangsqualifikation, um dieses Studium antreten zu können, nämlich das Fachabitur. Aber ja, der Übergang von der Arbeit zur Schule war zu Beginn sehr anstrengend, ich habe mich aber schnell daran gewöhnt. Einen erheblichen Beitrag dazu hat mein Ausbildungsbetrieb geleistet, denn durch die Rücksprache und Kommunikation mit meinem Chef und Abteilungsleiter über die Arbeitszeiten ist es erst möglich geworden, Schule und Arbeit zu vereinen. Und genau das bietet auch das berufsbegleitende Studium: Morgens arbeitet man und abends finden die Vorlesungen statt.

TKR: Wie bist du dann zum TKR gekommen und an welcher Station deiner Biografie hat das TKR angesetzt?

MIRCO: Zum TKR bin ich ehrlich gesagt durch einen Anstoß meiner Mutter gekommen, die das TKR kannte. So kam die erste Beratung zustande, auf die noch weitere über die Zeit hinweg folgten. Mir wurden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie ich mein Fachabitur nachholen kann. Und somit bin ich auch zu meinem einjährigen Fachabitur gekommen, welches ich dieses Jahr absolviere. Durch die Beratung im TKR wurde mir außerdem der Kontakt zur Universität Duisburg-Essen hergestellt, wo ich eine Beratung zum Thema Zugangsqualifikation in Anspruch genommen habe. Das TKR richtet sich nach den individuellen Wünschen und hat mich bei der Informationsbeschaffung und -bewertung enorm entlastet.

TKR: Den Weg, den du eingeschlagen hast, gehen nicht viele und er ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Wie stehst du heute zu deiner Entscheidung?

MIRCO: Ich stehe voll hinter meiner Entscheidung und würde es genauso wieder tun. Natürlich war und ist es noch nicht einfach: Man braucht Durchhaltevermögen und ein gutes Zeitmanagement. Man sollte sich sein Ziel auf mehrere kleine Etappen aufteilen und das Ziel nicht als ein großes Ganzes ansehen. 

Viele scheuen sich davor, einen Weg mit mehreren Stationen zu gehen. Ich habe gelernt, dass das Leben keine Einbahnstraße ist und das ist auch gut so.

Durch die Erfahrung, die ich in meiner Ausbildung gesammelt habe, habe ich es in der Schule leichter, was den Unterricht angeht aber auch, was die Soft-Skills angeht. Jede Station war wichtig und notwendig und ich bin mir sicher, es werden auch noch viele weitere Stationen kommen.

TKR: Was kannst du anderen raten, die einen ebenso unkonventionellen Weg einschlagen wie du?

MIRCO: Man muss mit 16 oder 18 Jahren noch nicht hundertprozentige Gewissheit darüber haben, was man einmal konkret beruflich machen möchte. Was ich jedem raten kann ist, dass man sich keine festen Ziele setzen sollte, sondern offen und flexibel sein sollte, seine Ziele gegebenenfalls zu ändern. Man sollte sich auch mit verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzen, wie man sein Ziel erreicht. Habt keine Angst, neue und andere Wege einzuschlagen. Ich finde es gut, dass diese Flexibilität und vielfältigen Möglichkeiten der Weiterbildung heutzutage gegeben sind, wie z.B. Teilzeitstudiengänge oder die Möglichkeit, Abschlüsse nachzuholen. So kann man auch auf unkonventionellem Wege Karriere machen, wenn man es denn möchte.

Stand: 04/2018